Irankrise: Trump rudert zurück. Ölpreise geben stark nach
von Steffen Bukold

Internationaler Markt
Trump hat’s gegeben, Trump hat’s genommen: Die Aussicht auf einen Militärschlag der USA im Iran ließ die Ölpreise in der ersten Wochenhälfte kräftig ansteigen. Gestern ruderte der US-Präsident schon wieder zurück. Es gebe keine neuen Todesopfer, teilte er den verdutzten Medienvertretern zur Begründung mit.
Ob der Auslöser nun eine Laune des 79-Jährigen, der Widerstand der arabischen Verbündeten in der Region, oder die möglichen Konsequenzen für den Handel mit China war, bleibt unklar. Der Ölpreis reagierte jedoch sofort und ging in den Sinkflug über. Heute kostet Brent-Rohöl kurz nach Börseneröffnung in Europa nur noch 64,3 Dollar je Barrel. Das sind über zwei Dollar weniger als gestern.
Der Sinneswandel im Weißen Haus wird nicht nur bei den Machthabern in Teheran, sondern auch im chinesischen Ölmarkt für Entspannung sorgen. China kaufte im letzten Jahr über 80 Prozent der iranischen Ölexporte. Das waren etwa 1,4 Mio. Barrel pro Tag, meldet Reuters. Da der Iran wegen der Sanktionen der USA unter Preisdruck steht, wird das Öl mit einem kräftigen Abschlag von 8-10 Dollar je Barrel verkauft. Übers Jahr gerechnet streichen die chinesischen Ölhändler also 4-5 Milliarden Dollar an zusätzlichen Profiten ein. Das wird nun erst einmal so weitergehen.
Aber nicht nur das Thema Iran übt Druck auf die Preise aus. Der Wochenbericht zum amerikanischen Ölmarkt zeigte gestern wachsende Vorräte in den Tanklagern. Vor allem die Benzinbestände konnten massiv um 9 Mio. Barrel zulegen. Das Öljahr beginnt also recht entspannt.
Hier die Zahlen des amerikanischen Energieministeriums (DOE) und die Umfragewerte des Branchenverbandes der Ölindustrie (API). Sie zeigen die Veränderungen der Lagerbestände im Vergleich zur Vorwoche:
∙ Rohöl: +3,4 Mio. Barrel (DOE) bzw. +5,3 Mio. Barrel (API)
∙ Heizöl und Diesel: ± 0,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. +4,3 Mio. Barrel (API)
∙ Benzin: +9,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. +8,2 Mio. Barrel (API)
Nur wenig Aufmerksamkeit konnte der Monatsbericht der OPEC wecken. Das Sekretariat des Ölkartells sieht im Gegensatz zu praktisch allen anderen Analysen einen ausgeglichenen Ölmarkt, also kein Überangebot. Die Zahlen gelten als politisch stark eingefärbt und werden kaum noch ernst genommen.
Immer mehr Spekulanten bekommen nun kalte Füße und lösen ihre Wetten auf steigende Ölpreise auf. Im Moment kostet Brent-Rohöl 64,35 US-Dollar je Barrel
. Die US-Rohölsorte WTI steht bei 59,97 US-Dollar je Barrel
. Rotterdamer Gasoil wird zu 642,00 Dollar je Tonne gehandelt
. Der US-Dollar ist 0,8595 Euro wert
. Der Euro steht bei 1,1632 Dollar
. Die Pfeile zeigen die Preisveränderungen im Vergleich zum gestrigen Handelsstart.
Nationaler Markt
Der deutsche Heizölmarkt reagiert nur zögerlich auf den plötzlichen Kurswechsel an den internationalen Ölbörsen. Der Preis bleibt am Morgen knapp über der 90-Euro-Marke. Die Heizölpreis-Tendenz zeigt einen landesweiten Durchschnittswert von 90,2 Euro je 100 Liter für eine Standardlieferung (3.000 Liter).
Heizöl bleibt damit immer noch recht billig. Vor einem Jahr lag der Preis bei knapp 102 Euro je 100 Liter. Die Begeisterung darüber hält sich jedoch in Grenzen. Die Zahl der Bestellungen ist in dieser Woche auf durchschnittliche Werte gefallen. Preispessimismus macht sich breit. Die täglich erhobene Lesereinschätzung zeigt, dass ein Drittel der Stimmen steigende Heizölpreise erwartet. Das ist mehr als üblich.
Noch ist unklar, wie es im Iran weitergeht. Es gibt nach wie vor Preisrisiken, die das globale Überangebot an Rohöl in den Hintergrund rücken könnten. Wer nicht mehr viel im Tank hat und auf Nummer Sicher gehen will, kann sich jetzt zu immer noch sehr moderaten Preisen versorgen.
Dennoch gilt nach wie vor: Nichts ist billiger und klimaschonender als Heizöl, das nicht verbrannt wird. Reduzieren Sie Ihren Verbrauch und überdenken Sie Ihre aktuelle Heizlösung. Die Verbraucherzentralen halten Tipps und Empfehlungen bereit.
Heizölpreise-Chart vom 15. Januar 2026
