Ölpreise zwischen Iran-Risiko und Überangebot
von Claudia Lohse

Internationaler Markt
Die Ölpreise sind in den vergangenen Tagen massiv gestiegen, legen zum Auftakt in die Wochenmitte jedoch eine Pause ein. Brent-Rohöl notiert bei 65 Dollar je Barrel.
Mit den Worten „Hilfe ist auf dem Weg“, signalisierte Donald Trump den Protestierenden im Iran gestern per Kurznachrichtendienst die Unterstützung der USA. Wie genau die Hilfe aussehen soll, blieb unklar. An den Ölbörsen wuchs daraufhin die Sorge, ein US-Militärschlag im Iran könne unmittelbar bevorstehen. Marktteilnehmer preisten dieses Risiko ein. Sie fürchten, mögliche Luftangriffe auf Ziele im Iran könnten zu Ausfällen des iranischen Ölangebots führen.
Trump hatte dem iranischen Regime bereits mehrfach auch mit einem militärischen Eingreifen gedroht. Am Montag folgte zunächst ein wirtschaftlicher Schritt. Die USA verhängten Strafzölle in Höhe von 25 Prozent gegen Irans Handelspartner, um Teheran weiter unter Druck zu setzen. Insgesamt lässt sich die Lage im Land schwer einschätzen, seitdem die iranische Führung den Zugang zum Internet gekappt hat.
Während die geopolitischen Risiken die Preise zuletzt nach oben getrieben haben, wirken die Fundamentaldaten aktuell bremsend. Vorerst ist der Preisanstieg an ICE und NYMEX gestoppt. Der Monatsbericht der EIA, Statistikbehörde im US-Energieministerium, setzte gestern Abend deutliche preisdämpfende Impulse. Für das laufende Jahr erwartet die EIA eine globale Überversorgung von 2,83 Millionen Barrel pro Tag (B/T) – 570.000 B/T mehr als in der vorherigen Prognose. Für 2026 senkte die Behörde ihre Nachfrageprognose auf 104,82 Millionen B/T (-0,34 Mio. B/T), während sie die Produktionsschätzung auf 107,65 Millionen B/T anhob (+0,23 Millionen B/T).
Auch die wöchentlichen US-Ölbestandsdaten rücken Angebot und Nachfrage in den Fokus. Der in der Nacht veröffentlichte Bericht des Branchenverbandes API meldet unerwartete Aufbauten sowohl bei den landesweiten Rohölreserven als auch bei den Ölprodukten. Das ist ein weiterer preisdämpfender Faktor. Entscheidend wird nun sein, ob die offiziellen Daten des US-Energieministeriums am Nachmittag den Trend bestätigen. Zusätzlich blicken die Trader auf den heute anstehenden OPEC-Monatsbericht.
Unter dem Strich stützen die Spannungen und Unsicherheiten rund um den Iran die Ölpreise weiterhin. Der prognostizierte starke Angebotsüberschuss auf dem Ölmarkt hält jedoch klar dagegen. Gleichzeitig bleibt das Risiko bestehen, dass die Preise bei einer geopolitischen Eskalation jederzeit wieder kräftig anziehen.
Nach der gestrigen Rallye verschnaufen die Notierungen an den Ölbörsen und starten unterhalb der Vortageshochs. Das Barrel der US-Rohölsorte WTI (West Texas Intermediate) steht aktuell bei 60,75 Dollar
. Brent kostet 65,08 US-Dollar das Barrel
. Eine Tonne Gasöl wird zu 648,25 Dollar gehandelt
. Der US-Dollar kostet heute Morgen 0,8583 Euro
. Damit ist der Euro für 1,1648 Dollar zu haben
. Die Pfeile zeigen die Veränderung der Preise im Vergleich zum Handelsauftakt des Vortages an.
Nationaler Markt
Die Heizölpreise haben seit Wochenbeginn moderat zugelegt. Am Morgen spiegeln sie teilweise den gestrigen Preisanstieg an den internationalen Ölmärkten wider, der von Unsicherheit rund um den Iran-Konflikt ausgelöst wurde. Der bundesweite Durchschnittspreis liegt in der aktuellen Heizölpreis-Tendenz bei 90,10 Euro je 100 Liter (Standardlieferung 3.000 Liter).
Die zuvor lebhafte Heizölnachfrage hat angesichts der steigenden Preise etwas nachgelassen und bewegt sich wieder auf einem durchschnittlichen Niveau. Die Hoffnung auf tiefere Preise ist derweil stark zurückgegangen. In der tagesaktuellen Lesereinschätzung rechnen nur noch 63 Prozent der Befragten mit einem Preisrückgang – ein vergleichsweise niedriger Wert.
Orientierungshilfe für alle Unentschlossenen: Wer zeitnah Heizöl braucht, sichert sich mit einer Bestellung zu weiterhin kaufbaren Preisen ab. Wer dabei bewusst etwas Platz im Tank lässt, kann auf mögliche Rückgänge später im Jahr spekulieren.
Darüber hinaus gilt mehr denn je: Zukunftsfähig werden wir nur, wenn wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln.
Heizölpreise-Chart vom 14. Januar 2026
