Trotz verlängerter Waffenruhe: Unsicherheit stützt die Ölpreise
von Claudia Lohse

Internationaler Markt
Trotz der verlängerten Waffenruhe sind die Ölpreise erneut über die Marke von 100 Dollar gestiegen. Brent-Rohöl durchbrach gestern nach zwei Wochen erstmals wieder diese Schwelle und notiert aktuell bei 103,70 Dollar je Barrel.
Dass die von den USA verlängerte Waffenruhe im Iran keine nachhaltige Entspannung bringt, überrascht kaum. Sie hat zwar einen noch stärkeren Preisschub an den Ölmärkten verhindert, wie er bei einer neuen Eskalation zu erwarten gewesen wäre. Doch die Spannungen zwischen beiden Seiten bleiben hoch und jederzeit entzündlich. Das zeigte sich auch gestern wieder.
Irans Revolutionsgarde soll ein Containerschiff in der Straße von Hormus beschossen und zwei weitere Frachtschiffe beschlagnahmt haben. Die US-Streitkräfte fingen im Rahmen ihrer Seeblockade mehrere Tanker mit iranischem Öl ab. Für die Preise ist entscheidend, ob das Nadelöhr am Persischen Golf in absehbarer Zeit wieder sicher passierbar ist. Für die Marktteilnehmer rückt damit vor allem eine Frage in den Fokus: Wann kehren beide Seiten an den Verhandlungstisch zurück? Bislang fehlen die Signale dafür. Stattdessen deutet vieles darauf hin, dass Teheran auf Zeit spielt, um den Preis für die Öffnung der Straße von Hormus möglichst hochzutreiben.
Die angespannte Versorgungslage spiegelt sich auch in den wöchentlichen US-Bestandsdaten wider. So sind die Lagerbestände an Ölprodukten wie Destillaten (Heizöl und Diesel) sowie Benzin erneut zurückgegangen – deutlicher als erwartet und obwohl die Nachfrage stagniert. Ein Teil des Rückgangs lässt sich mit einer gesunkenen Raffinerieauslastung wegen saisonaler Wartungsarbeiten an den Anlagen erklären. Die landesweiten Rohölreserven sind dagegen leicht gestiegen und bauten damit ihr Mehrjahreshoch aus.
Die Zahlen des US-Energieministeriums (DOE) und die Daten des Branchenverbandes der Ölindustrie (API) zeigen die Veränderungen der Lagerbestände im Vergleich zur Vorwoche:
Rohöl: -0,9 Mio. Barrel (DOE) | -4,4 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -3,1 Mio. Barrel (DOE) | -4,6 Mio. Barrel (API)
Benzin: -6,3 Mio. Barrel (DOE) | -5,2 Mio. Barrel (API)
Die Ölpreise starten heute Morgen auf erhöhtem Niveau und suchen ihre Richtung. Das Barrel der US-Rohölsorte WTI (West Texas Intermediate) steht aktuell bei 94,79 Dollar
. Brent kostet 103,86 US-Dollar das Barrel
. Eine Tonne Gasöl wird zu 1219,00 Dollar gehandelt
. Der US-Dollar kostet heute Morgen 0,8546 Euro
. Damit ist der Euro für 1,1699 Dollar zu haben
. Die Pfeile zeigen die Veränderung der Preise im Vergleich zum Handelsauftakt des Vortages an.
Nationaler Markt
Die Heizölpreise bewegen sich erneut leicht aufwärts und folgen damit dem Preisanstieg am internationalen Ölmarkt. Der bundesweite Durchschnittspreis liegt am Morgen laut aktueller Heizölpreis-Tendenz bei 130,40 Euro je 100 Liter (Standardlieferung 3.000 Liter).
Beim Heizölkauf nähert sich die Nachfrage langsam wieder dem durchschnittlichen Niveau an. Die Hoffnung auf einen Preisrückgang ist vergleichsweise verhalten. In der tagesaktuellen Lesereinschätzung erwarten 61 Prozent der Befragten künftig sinkende Preise.
Orientierungshilfe für alle Unentschlossenen: Die Entwicklung der Heizölpreise hängt weiterhin stark von der Nachrichtenlage rund um den Konflikt zwischen den USA und dem Iran ab. Wer kurzfristig bestellen muss, kann sich derzeit nur gegen weitere Aufschläge absichern oder auf kleinere Preisrückgänge hoffen. Solange es keine belastbaren Fortschritte in Richtung Frieden gibt und die Straße von Hormus blockiert ist, verharren die Preise auf hohem Niveau.
Darüber hinaus gilt mehr denn je: Zukunftsfähig werden wir nur, wenn wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln.
Heizölpreise-Chart vom 23. April 2026
